Die »Gelbe Gefahr«

Rassismuskritik schreibt Filmgeschichte

Auf das Ende des zweiten Opiumkrieges 1860 folgt die erste größere Migrationsbewegung von China in andere Regionen der Welt. Wurden 1910 offiziell 623 Chinesen mit permanentem Wohnsitz in Deutschland gezählt, lebten 1923 allein in Berlin über 1000 chinesische Student:innen. Dazu kam das britische »Kuli«-Zwangsarbeitermodell. Nach der Abschaffung des Sklavenhandels wurden Süd- und Ostasiaten mit perfiden Methoden in Vertragsknechtschaft gelockt und international als Arbeiter eingesetzt. Die mit dieser Praxis verbundenen, rassistischen Ängste vor der »gelben Gefahr« drehen sich um »Opiumhöllen«, Mädchenhandel und Prostitution und gingen in Filme ein wie DIE HERRIN DER WELT, TEIL 1 – DIE FREUNDIN DES GELBEN MANNES (DE 1919, R: Joe May) oder DIE SPINNEN. 1. TEIL: DER GOLDENE SEE (DE 1919, R: Fritz Lang).

Die Intervention des Vereins der chinesischen Studierenden, die Änderungen an den Zwischentiteln von DIE HERRIN DER WELT sowie den Nachdreh einzelner Szenen forderten und schließlich durchsetzen konnten, war wahrscheinlich eine der erste rassismuskritischen Kampagnen der Filmgeschichte. Im Filmzensurgesetz hinterließ diese Intervention im Passus zur »Gefährdung der Beziehung Deutschlands zu auswärtigen Staaten« deutliche Spuren.

Sport im Bild, Jahrgang26, Heft 3, 16. Januar 1920
Sport im Bild, Jahrgang26, Heft 3, 16. Januar 1920

Henry Sze: Theater und Film in China. Quelle: Sport im Bild, Heft 3, 16. Januar 1920